Herz-Jesu-Wallfahrt Hall in Tirol
Wallfahrt Hall Tirol

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Meditation

Herz-Jesu-Wallfahrt Hall in Tirol
DAS HERZ DES HOHENPRIESTERS

Hoch über dem Altar der Basilika von Hall, in beherrschender Position, sehen wir die Herz-Jesu-Statue. Ihre weit ausgebreiteten Hände sprechen eine deutliche Sprache; sie rufen uns zu: Kommt alle zu mir! Es ist das „So Sehr“ der Liebe, das unser Ohr und unser Herz jeweils neu erreicht. Da er die Seinen liebte, liebte er sie bis zur Vollendung. So beschreibt es Johannes. Es ist jene Stunde, da er die Augen zum Himmel erhob und das Brot in seine heiligen und ehrwürdigen Hände nahm. Mit großer Sehnsucht hat mich danach verlangt, dieses Mahl mit euch zu halten (vgl. Lk 22,15). Diese Worte, diese Sehnsucht, hat Jesus mitgenommen in seine eucharistische Verborgenheit im heiligsten Sakrament und mit ihm selbst ist auch dieses sein Verlangen gegenwärtig, wenn er im ausgesetzten Allerheiligsten auf uns wartet: Komm doch!

Der Künstler hat seiner Herz-Jesu-Statue eine Priesterstola beigegeben, nach alter Tradition über der Brust, über dem Herzen gekreuzt. Damit ist der Herr als Priester gekennzeichnet. Wir haben einen erhabenen Hohenpriester, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes (Hebr 4,14). Jesus war und ist Priester: Er wird auch in Zukunft immer Priester sein. Das sollte wieder mehr ins Bewusstsein des Gottesvolkes treten, denn jedes Vergessen der Wahrheit rächt sich früher oder später. Vom Priestertum Christi spricht unter anderem und ausführlich der Verfasser des Hebräerbriefes.

Er spricht vom Ursprung dieses Priestertums und stellt fest, dass es im göttlichen „Heute“ wurzelt. Es ist dies das Heute der Ewigkeit Gottes, das kein Gestern kennt und dem kein Morgen folgen wird – ein beständiges „Jetzt“ ohne Abfolge der Zeit. In diesem Sinn sagt der ewige Va ter: Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt (Ps 2,7). Es hat auch keinen Augenblick gegeben im irdischen Leben des Herrn, da ihm das Priestertum übertragen worden wäre oder in dem er für sich selbst diese Würde rekla miert hätte. Er war schon immer Priester, und hat schon als Priester diese Welt betreten. Er besitzt diese Würde von Ewigkeit und sie wird ihm „in alle Ewigkeit“ nicht genommen werden, wie es der Vater ihm zugesagt hat: Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks (Ps 110,4).

Das unterscheidet Jesus, den Priester, von den Priestern im Tempel, die ihr Priestertum der Zugehörigkeit zum Stamm Levi verdanken und keine eigene Berufung durch Gott kennen. Der Vater ist Priester, also ist es auch der Sohn, der aus dieser Priesterehe hervorgeht, ob er es will oder nicht. Sowohl Maria als auch Josef sind dem Stamm Juda zugehörig. Das Priestertum Christi ist also andersgeartet als das Tempelpriestertum der Söhne Levis. Es ist nach der „Ordnung Melchisedeks“, der ohne Stammbaum ist, ohne Anfang und ohne Ende seines Lebens (Hebr 7,3).

Zum Priester gehört das Opfer. Wo ein Opfer, da auch ein Priester; wo ein Priester, da auch ein Opfer. Beides bedingt sich gegenseitig. Wollen wir genau sein, so sprechen wir von einem Opferpriester und von einer Opfergabe.

Gott ist alles. Gott verdient alles. Es ist klar, die „Göttlichkeit Gottes“ verlangt nach der Anerkennung seitens der Geschöpfe. Das Opfer, das Gott von einem Priester dargebracht wird, muss der Göttlichkeit Gottes, der „wirklichen Wirklichkeit“ Gottes auch entsprechen. Doch das haben die alttestamentlichen Opfer nicht leisten können. Sowohl die Opferpriester als auch die Opfergaben des Alten Bundes lassen zu wünschen übrig. Denn:

Der alttestamentliche Priester ist selber ein Sünder. Er muss für die eigenen Sünden Genugtuung leisten und Gott auch für sich selbst die Opfer der Versöhnung darbringen. Und die Opfergaben der alten Ordnung – Tiere, Speisen, Trank, Weihrauch -, was sind sie anderes als geringfügige Gesten des guten Willens? Unmöglich kann das Blut von Stieren und Böcken Sünden wegnehmen (Hebr 10,4). Sünden wegnehmen, - das kann ein Opferlamm aus der Herde nicht zu Wege bringen.

Da kommt der eine und wahre Hohepriester vom Himmel, Jesus, den niemand einer Sünde zeihen kann, der Heilige Gottes, reiner und erhabener als alle Engel. An ihm hat der Vater sein Wohlgefallen. Er und nur Er kann sagen: Was ihm wohlgefällt, tue ich allezeit (Joh 8,29). Er hat es wahrhaftig nicht nötig, für eigene Sünden das Sühnopfer darzubringen, weil er ohne Sünde ist. Er bringt nun ein Opfer dar, bei dem auch die Opfergabe einzigartig ist, - sich selbst. Das hat keiner vor ihm getan. Alle Hohenpriester haben „etwas“ geopfert, etwas außerhalb von ihnen selbst. Jesus legt nun seinen eigenen Leib, seine eigene menschliche Natur, sein göttliches Ich auf den Altar, und dieser Altar ist das Kreuz. Er ist geopfert worden, weil er selbst es wollte; er hat sein Leben hingegeben für das Leben der Welt, und dies in der Freiheit der Liebe.

Dieses Opfer wird einmal vorweggenommen und ungezählte Male danach zur Gegenwart. Vorweggenommen wird es in der Nacht, da er verraten wurde; da nahm er das Brot und sagte Dank, brach es und reichte es seinen Jüngern mit den Worten: Das ist mein Leib. Und er reicht ihnen den Kelch und spricht: Das ist der Kelch des Neuen und Ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden.

Der Priester der hl. Messe wiederholt nichts. Er wiederholt auch nicht die Worte Jesu. Es ist Jesus selbst, der spricht, der verwandelt, der sich opfert, der das eine, unwiederholbare Opfer am Kreuz zur Gegenwart macht. Der menschliche Priester „leiht“ ihm dabei seine Stimme, seine Hände, sein Herz. Es ist Jesus, der am Altar steht, der in seinen Priestern sein eigenes priesterliches Leben fortsetzen möchte. Bei jeder hl. Messe wird es geheimnisvolle Wirklichkeit: Christus und sein Priester, dessen Priestertum nicht neben Christus seinen Platz hat, sondern in Christus, sie sind beide sacerdos et victima, „Priester und Hostie“, das heißt Opfergabe. Oder wie es die Volksweisheit in großer Einfachheit ausdrückt: „Opfern und Geopfertwerden ist des Priesters Los auf Erden.“

So ist die Liebe, die das Herz Jesu ausfüllt, eine priesterliche Liebe, die Liebe des Guten Hirten, der sein eigenes Leben zum Opfer bringt: Mein Leben ist nicht so wichtig. Wichtig ist die Rettung meiner Brüder und Schwestern. Deshalb ist gerade der menschliche Priester, der alle Fähigkeiten seiner menschlichen Natur Christus, dem Hohenpriester, zur Verfügung stellt, in besonderer Weise aufgerufen zu beten: Bilde mein Herz nach deinem Herzen! Und der hat den Herrn am besten verstanden, der mit ihm zu sprechen weiß: Da mihi animas, cetera tolle! – Gib mir Seelen, alles andere nimm!“

Es ist wahr, was die Kirche betend singt:
Wie hat die Liebe dich gedrängt,
auf dich zu nehmen Leid und Tod.
Du gibst das Leben uns zurück,
das Adams Sünde uns geraubt.
Dir, Herr, sei Preis und Herrlichkeit,
der uns sein Herz geöffnet hat,
mit dir dem Vater und dem Geist
durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.



Erstveröffentlichung: GOTTGEWEIHT, Jg. 23, 2010, Nr.1, S. 17-20
P. Dr. Ildefons M. Fux OSB
Wallfahrtskomitee Hall in Tirol
P.Dr. Ildefons Fux OSB
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