Herz-Jesu-Wallfahrt Hall in Tirol
Wallfahrt Hall Tirol

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HERZ-JESU-WALLFAHRT
25. August 2017

Herz-Jesu-Wallfahrt Hall in Tirol
Simeon Wester OCist.
IN DER SCHULE DES HERZENS JESU
Predigt bei der 17. Herz-Jesu-Wallfahrt in Hall in Tirol am 25. August


Jesus ruft uns heute zu: Lernt von mir! Wir sollen von Jesus lernen. Wir sollen heute in seine Schule gehen.

Obwohl Samstag ist und eigentlich noch Ferien sind, sollen wir in die Schule gehen… Es ist allerdings eine ganz besondere, eine einzigartige Schule, in die wir da gehen dürfen. Die Voraussetzungen sind in dieser Schule ganz andere, als wir es in den Schulen dieser Welt gewohnt sind.

Das liegt daran, dass in dieser Schule, der Schule Jesu, etwas unterrichtet wird, das den Weisen und Klugen verborgen bleibt. Die Weisen und Klugen dieser Welt können in dieser Schule gar nichts lernen und erkennen. Nur die Unmündigen, die Kleinen, die Demütigen werden hier zur Erkenntnis geführt.

Die Schule, in die wir heute gehen, ist die Herz-Jesu-Schule. Jesus lädt uns heute ein, in sein Herz zu kommen. Im Herzen Jesu sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis geborgen. Im Herzen Jesu finden wir alles, was wir zum Leben brauchen.

Das Propädeutikum
Bevor wir aber in die Schule gehen, machen wir zunächst alle ein Propädeutikum, eine Vorschule. Eine Vorschule des Herzens Jesu. In der Vorschule gibt es eine Lehrerin und einen Lehrer. Sie wollen nichts anderes, als uns zum Herzen Jesu fuhren. Sie können das deswegen so gut, weil sie selbst lange und ganz unmittelbar, existenziell in die Herz-Jesu-Schule gegangen. Sie haben dort mit ihrer ganzen Kraft, mit all ihrem Denken, mit all ihrer Liebe, aus ganzem Herzen gelernt.

Liebe Brüder und Schwestern, Ich nehme einmal an, dass sie alle die Lehrerin und den Lehrer schon ganz gut kennen. Wir können ihnen aus ganzem Herzen vertrauen. Bei dem Lehrer lernen wir heute vor allem das Hören. Bei der Lehrerin lernen wir das Empfangen.
Der heilige Johannes
Gehen wir zunächst zum Lehrer. Es ist der heilige Johannes, der Lieblingsjünger Jesu, der Apostel und Evangelist. Der heilige Johannes erklärt uns in seinem 1. Brief, Was und Wie er erkannt hat. Er schreibt uns:
Was von Anfang an war, was wir gehört und gesehen haben, was wir geschaut und unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir, das Wort des Lebens.


Der heilige Johannes hat erkannt, was von Anfang an war. Das Wort des Lebens. Und wie hat er das Wort des Lebens erkannt? Er hat es gehört, geschaut und berührt. Er ist unser Lehrer im Hören, im Schauen und im Berühren des Wortes des Lebens.

Damit die erste Stunde unserer Vorschule des Herzens Jesu nicht zu lang wird, möchte ich heute nur auf das Hören eingehen. Johannes lehrt uns besonders das Hören, weil er in seinem Leben etwas gehört hat, das ihn weit über alle menschlichen Hörgewohnheiten hinausgeführt hat.

Johannes ist dem Wort des Lebens begegnet, das heißt er ist Jesus begegnet. Aber der heilige Johannes ist Jesus nicht nur einfach so begegnet. Johannes durfte Jesus ganz nahe kommen! Er hat an der Brust Jesu gelegen. Er durfte an der Brust Jesu eine tiefe Geborgenheit erleben. Er hat nämlich dort an der Brust Jesu gehört, wer Jesus ist.

Jesus wollte seinem Lieblingsjünger in besonderer Weise offenbaren, was den Weisen und Klugen dieser Welt verborgen bleibt. Er hat den heiligen Johannes in sein Herz hineinhorchen lassen. Heiliger Johannes, nimm mich in deine Schule des Hörens! Lehre mich in rechter Weise zu hören! Lehre mich auf den Herzschlag J esu zu hören.

Liebe Brüder und Schwestern! Wir wollen uns dem Herzen Jesu annähern. Wir wollen den Herzschlag Jesu vernehmen, indem wir auf sein Wort hören. Das ist die Grundlage für all unser Erkennen. Wir müssen ganz still werden und hören, hinhorchen.

Im Herzen Jesu horchen wir auf das ewige Wort des Vaters. Wir hören dann nicht irgendein Wort, das so dahergesagt wird. Wir hören das Wort des Lebens, das von Anfang an war. Es ist das Wort _ auch meines Lebens.

Um meinetwillen ist dieses Wort Fleisch geworden. Um meinetwillen ist dieses Wort Mensch geworden. Um mich zu erlösen kam dieses Wort in die Welt.

Die Jungfrau Maria
Kommen wir nun zur Lehrerin in unserer Vorschule. Unsere Lehrerin ist natürlich Maria. Sie ist Lehrerin im Empfangen.

Sie hat das Wort des Lebens gehört und es empfangen. Maria hat das ewige Wort des Vaters ganz in ihr Herz aufgenommen. So konnte das Herz Jesu im Schoß der Jungfrau vom Heiligen Geist gebildet werden.

In Maria kommen Natur und Übernatur im Rhythmus der beiden Herzen vernehmbar zusammen. Das Herz Jesu übernimmt den Herzrhythmus Mariens. Mariens Herz aber ist durch ihr Fiat, durch ihr Ja_Wort, ganz durchformt vom Rhythmus der Liebe des dreifaltigen Gottes. In Maria sind die Herzrhythmusstörungen zwischen Gott und den Menschen endlich wieder behoben.

Seit dem Sündenfall von Adam und Eva war der Rhythmus gestört. Nun herrscht wieder Gleichklang, weil Gott sich erniedrigt und entäußert hat und weil Maria so demütig war, DEN in ihren Schoß aufzunehmen, den die Himmel nicht fassen können. Gott hat in Maria ein Herz aus Fleisch, ein menschliches Herz angenommen. So wird im Herzen Jesu der Liebes-rhythmus Gottes hörbar für diese Welt.

Liebe Brüder und Schwestern! Wir alle haben die Sehnsucht, dass die Herzrhythmusstörungen unserer Gottesbeziehung behoben werden.
Meine Seele, warum bist du betrübt und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott! (Ps 42,6)
Lass ihn doch endlich ganz in dein Herz hinein, nicht nur ein wenig, lass ihn ganz hinein! Siehe ich stehe an deiner Tür und klopfe an (Offb 3,20).

Am Rhythmus des Klopfens kann ich doch genau erkennen, wer da anklopft. Und Gott wartet voller Sehnsucht auf meine Antwort, auf das eine Wort von mir, das alle Unruhe meines Herzens auflöst und alle meine Not lindert: Fiat! Ja! Amen! Komm Herr Jesus! - Jesu mein, komm herein, leucht' in meines Herzens Schrein! Jesus will immer wieder zu mir kommen, ganz in mich hinein. Im Sakrament des Altares darf ich Ihn ganz empfangen.

Heute werden wir zur Kommunion wieder das wunderschöne "Ave verum" von Mozart hören: Ave verum, corpus natum, ex Maria Virgine. Wahrer Leib, sei uns gegrüßet, den die Jungfrau Maria uns gebar. Wie Maria _ unsere Lehrerin _ will ich den Heiland mit ganzem Herzen willkommen heißen und empfangen.

Es ist doch der gleiche Christus, der da zu mir kommt. Er macht sich so klein für mich, damit auch ich IHN empfangen kann.

Heilige Maria, Mutter Gottes, nimm mich in deine Schule der Demut, damit ich von dir lerne, den Heiland zu empfangen. ER soll mein Herz ganz durchdringen mit seiner Liebe.

In der Schule des Herzens Jesu
Wir sind nun an der Hand Mariens und an der Hand des heiligen Johannes durch die Vorschule gegangen, um etwas über das Herz Jesu zu lernen. Von Johannes haben wir gelernt im Herzen Jesu das Wort zu hören, das die Liebe selbst ist. Von Maria haben wir gelernt, diese Liebe, die Liebe selbst, Gott aufzunehmen, IHN zu empfangen.

Jetzt sind wir gut vorbereitet, bei Jesus selbst, in die Herz-Jesu-Schule, einzutreten. Einer ist euer Lehrer: Christus. Er lädt uns heute alle in seine Schule ein, und aus seiner Einladung strömt uns ein großer Trost entgegen: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt, ich werde euch Ruhe verschaffen (vgl. Mt 11,28-30). Das ist doch eine wunderbare Einladung und ein wunderbares Versprechen. Direkt aus dem Herzen des Heilands: Komm zu mir!

Komm zu mir mit allem, was dich plagt, was schwer ist in deinem Leben, was dich niederdrückt. Komm zu mir mit allem, was du vielleicht schon seit langem, seit vielen Jahren trägst und erträgst.

Komm zu mir mit all deinen körperlichen Leiden. Komm zu mir mit all deinen seelischen Leiden. Komm zu mir mit dem Verborgenen und den Abgründen deiner Seele.

Komm zu mir mit deinen Sünden. Komm zu mir! Hab keine Angst! Ich werde dir Ruhe verschaffen.

Bei mir kannst du endlich zur Ruhe kommen. Ja, Jesus will mir Ruhe verschaffen. Er kennt mich. Er kennt die Unruhe meines Herzens. Er kennt mich besser als ich mich selbst kenne, und Er weiß, was ich brauche, um zur Ruhe zu kommen, um Ruhe zu finden für meine Seele.

Jesus weiß, wie sehr ich Ihn allein brauche, nur Ihn. Jesus weiß, dass mein Herz solange unruhig bleibt, bis es in Seinem Herzen ruht, bis es ruht in Ihm. Darum hält Er mir in jedem Augenblick meines Lebens seine geöffnete Seite hin und lädt mich ein, dort einzutreten, hineinzugehen: Komm! Komm in das Land meiner Ruhe. Komm in die Vereinigung mit mir!

Wie aber kann ich in diese Vereinigung mit Jesus kommen? Wie kann ich in das Land Seiner Ruhe kommen? Was ist zu tun? Jesus unser Lehrer sagt uns das heute ganz schlicht und einfach: Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und demütig von Herzen. So werdet ihr Ruhe finden für Eure Seele. Nehmt Mein Joch auf euch. Lernt das von mir. Lernt von mir, das Joch des Lebens, des Leidens, der Hingabe in aller Demut zu tragen! Es ist ein Joch, das nicht drückt, es ist eine leichte Last, und zwar dann, wenn du dich mit mir, mit meiner Liebe vereinst. Wenn du dein Leben mit meinem Leben, mit meinem Kreuz und meiner Hingabe vereinst, dann wirst du immer mehr erfahren, dass ich dein Heiland bin:

Ich habe dein Kreuz und deine Leiden, ich habe dein ganzes Leben nach Golgotha getragen, ich habe dort mein Leben für dich dahin gegeben, ich habe dort meine Seite für dich geöffnet.

Niemals kannst du vor dem Kreuz deines Lebens fliehen, besonders nicht vor deinem letzten Kreuz, dem Tod. Du kannst aber lernen, alles zu verstehen und zu ertragen, wenn du dich mit mir und meinem Leiden vereinst. Darum steht mein Herz immer für dich offen. Darum fließt meine ganze Liebe immer auf dich herab.

Nimm meine Liebe in dich auf und öffne auch du dein Herz für mich. Das ist wirklich der entscheidende Punkt unseres Lebens. Nur in Seiner Liebe können wir lernen, das auferlegte Joch zu tragen.

Ohne Seine Liebe wird mir auch noch das kleinste Joch zu schwer und zu mühsam und ich werde versuchen, es los zu werden.

Ohne Seine Liebe werde ich meine körperlichen und seelischen Leiden nie verstehen, sondern mich immer wieder gegen sie aufbäumen.

Ohne Seine Liebe werde ich den Gedanken an meinen Tod niemals ertragen und im letzten daran zugrunde gehen.

Darum wende ich mich heute bei dieser Wallfahrt direkt an Dich, mein Jesus, mein wahrer Lehrer, Lehrer der Vereinigung in Gott. Nimm mich in Deine Schule: Bilde mein Herz nach Deinem Herzen. Du hast Dein Herz ganz weit für mich geöffnet. Bilde mein Herz so, dass ich es für Dich öffnen kann.
Ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst Du, o Gott, nicht verschmähen (Ps 51,19).

Vereine Deine geöffnete Seite mit meinem zerbrochenen und zerschlagenen Herzen, damit ich in meiner Armseligkeit immer Deine unendliche Liebe erfahren kann.

Liebe Brüder und Schwestern! Die Verheißung des Herrn aus dem Evangelium bleibt unser großer Trost: Ich werde euch Ruhe verschaffen. Die Ruhe ist nur in Seinem Herzen zu finden. Da müssen wir hinein, und der sicherste Weg da hinein ist unser eigenes geöffnetes Herz. O Gott, mein Ziel, Dein will ich sein. Mit Leib und Seel auf ewig Dein! Tu nur mit mir zu jeder Zeit. Herr, wie Du willst, _ ich bin bereit.

Herz Jesus, sanft und demütig von Herzen: Bilde mein Herz nach Deinem Herzen, damit ich mit Dir vereint werde, damit ich mein Ziel erreiche und so meine Ruhe finde in Gott.

GELOBT SEI JESUS CHRISTUS. IN EWIGKEIT. AMEN.
Wallfahrtskomitee Hall in Tirol
P.Dr. Ildefons Fux OSB
Maria Roggendorf 27
2041 Wullersdorf
Tel. 02953 / 2589